Zach Schreiber schreibt Saudi-Arabien ab

Zach Schreiber hat 2014 den massiven Ölpreis-Verfall vorher gesehen und damit seinem Hedge Fonds PointState Capital hohe Gewinn beschert. Seitdem hören Marktteilnehmer bei seinen Prognosen rund um das Thema Öl genauer hin.

Jüngst hat sich Schreiber zum Zustand und Ausblick der saudi-arabischen Wirtschaft geäußert und ein pessimistisches Bild gezeichnet. Er gibt dem Land 2-3 Jahre Anlauf, bevor es zum Crash kommt, da das Land zu diesem Zeitpunkt auf Grund seiner hohen Ausgaben und dem billigen Öl „strukturell insolvent“ (structurally insolvent) sein werde.

Die extrem hohen sozialen Ausgaben sowie massive Ausgaben für das Militär machen das Land zur „letzten Bastion der Stabilität“ in der Golf-Region, fordern aber einen immer höheren Preis, der nicht mehr durch die Öleinnahmen zu decken ist. Seit 2014 hat die Zentralbank 140 Mrd. $ ausgegeben, um die rückläufigen Erlöse aus dem Öl-Geschäft zu kompensieren. Darüber hinaus wird alles dafür getan, zukünftige Liquidität zu sichern, beispielsweise durch die Vorbereitung einer Anleihe oder den avisierten Verkauf von 5% des Staatsunternehmens Aramco.
Letzteres bezeichnet Zach Schreiber als den Verkauf der „goldenen Gans“, durch den keine langfristigen Einnahmen generiert werden sondern nur einmalige Erlöse um Zeit zu gewinnen. Auch der IWF hat kürzlich davor gewarnt, dass Saudi-Arabien innerhalb von fünf Jahren das Geld ausgehen könne – allerdings unter der Prämisse, dass der Ölpreis langfristig unter 50$ bleibt (englischer Artikel).

Zach Schreiber ist dem Ölpreis mittel- bis langfristig weiterhin bärisch eingestellt, da er von einem steigenden Dollar ausgeht, der die Nachfrage von insbesondere Öl und anderen Rohstoffen senken werde. Als Resultat eines steigenden Dollars und konstant geringeren Einnahmen für Saudi-Arabien glaubt Schreiber auch, dass die feste Bindung des saudi-arabischen Riyal gegenüber dem Dollar gelöst bzw. reduziert wird um den Wert des Riyal zu verringern.

Kritisch muss der Meinung Schreibers allerdings entgegen gehalten werden, dass er voraussetzt, dass Saudi-Arabien einen Ölpreis von 100$ benötigt um kein Defizit zu erwirtschaften – andere Marktteilnehmer sehen die Schwelle deutlich niedriger.

Darüber hinaus würde ein Mangel an Liquidität dazu führen, dass Saudi-Arabien sein Paket an US-Staatsanleihen auflösen würde, deren Volumen immerhin 117 Mrd. $ beträgt. Dies würde einem steigenden Dollar sicherlich entgegen wirken und lässt die von Schreiber vorher gesagten drastischen Konsequenzen etwas übertrieben wirken. Das Grundproblem besteht jedoch ohne Zweifel.

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by am1nT time to read: 2 min
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